Achtsamkeit

Immer wieder sonntags: Zwischen Burnout und Angst vor der nächsten Woche

Schreibtisch mit Computer und Timer

Es ist irgendwie immer dasselbe: Unter der Woche bestimmt der Job 90 % des Alltags. Wegen dem Mammut-Projekt, das seit 14 Monaten läuft und für einen alleine eigentlich viel zu groß ist und den Corona-Beschränkungen, die gar keinen wirklichen Ausgleich mehr zulassen, fühlt es sich derzeit an als ob mein Leben nur noch aus Arbeit besteht. Ich mache morgens mein Postfach auf und bin schon erschlagen von der Flut an Mails, die dort auf mich wartet. Dann hangele mich anhand der endlos langen To-Do-Liste durch den Tag, bin am Ende – oft ist es schon 19.30 Uhr – völlig erschöpft und habe eigentlich noch mehr (nicht erledigte) Aufgaben als am Anfang des Tages. An Sport oder irgendetwas anderes zum Ausgleich ist um die Uhrzeit schon nicht mehr zu denken. Ist ja schon spät, also schnell noch was essen, ein bisschen fernsehen oder netflixen und ab ins Bett. Die folgende Nacht ist auch nicht erholsam: Rückenschmerzen vom vielen Sitzen und mangelnder Bewegung, Zähneknirschen vor lauter Stress, so dass einem am Morgen Kiefer und Kopf weh tun und Albträume.

So kämpfe ich mich von Montag bis Freitag durch die Arbeitswoche, um dann am Wochenende alles, was für den Haushalt erledigt werden muss, in diese beiden kurzen Tage zu pressen. Dabei muss ich priorisieren, welche Tätigkeiten unbedingt samstags gemacht werden müssen, weil sonntags ja Ruhetag ist. Wäsche waschen, Wäsche bügeln, Wohnung putzen, Rasen mähen, einkaufen..: Die To-Do-Liste fürs Wochenende ist teilweise genauso lang wie die für die Arbeit.

Dazwischen versuche ich mich mit Social Media abzulenken, aber statt Erholung vom Stress setzt es mich unterbewusst noch mehr unter Druck. Weil es mir zeigt, was ich nicht habe und mich dazu bringt, meine Wohnung, meinen Garten und mein Leben noch kritischer zu sehen. Es muss alles schöner werden! Dabei muss ich aber immer abwägen, was sich für mich als Mieterin an Ausgaben und Aufwand lohnt. Schließlich spart man ja jeden Monat auch fleißig Geld, um sich irgendwann den Traum von der eigenen Immobilie erfüllen zu können. Obwohl es ehrlicherweise mit den derzeitigen Immobilienpreisen eher eine Utopie ist.

So geht das jede Woche. Und während ich sonntagmittags ein schlechtes Gewissen bekomme, was ich alles nicht geschafft habe und schon wieder ganz langsam die Angst vor der nächsten Woche aufkeimt, stelle ich mir immer öfter die Frage: Wofür das alles? Ernsthaft! Wann ist das Leben zu so einem nicht endenden Wettbewerb geworden? – Höher, schneller, weiter… eine wunderschöne Wohnung, der Garten wie vom Landschaftsarchitekten designt, immer alles neu und perfekt und dazu tausende Follower und Likes … Warum ist das, was wir haben nicht mehr gut genug? Und warum fühlt sich Leben mittlerweile an wie eine Bürde? Wie bei Sisyphos in der alten griechischen Mythologie, der jeden Tag aufs neue einen Stein den Berg hinaufrollen muss…

Und dann wundert sich die Gesellschaft, warum so viele Menschen unter einer Depression oder einem Burnout leiden. Wobei ich sogar noch vermute, dass es mehr sind als die Statistiken sagen. Weil man sich ja oft noch nicht mal traut zuzugeben, dass das alles zu viel ist. Weil man als Betroffener natürlich erstmal den Fehler fürs Scheitern bei sich selbst sucht und denkt, man ist nicht gut genug, man ist zu schwach und die anderen sind einfach viel besser.

Mein Körper zeigt mir derzeit immer auch immer öfter, dass das auf Dauer nicht gut geht: Mit Herzstolpern, das sich anfühlt, als ob das Herz gleich gar nicht mehr schlägt, ständigen Kopfschmerzen, die mittlerweile sogar in Migräne enden und den besagten unerholsamen Nächten.

Ich weiß noch nicht, wie ich das Problem löse, aber ich werde vermutlich mit einem Social Media Detox anfangen und Instagram und Co. mal für einige Wochen meiden. Mal schauen, was sich noch als hilfreich erweist. Ich werde hier bestimmt das eine oder andere Update dazu geben. Aber jetzt entschuldigt mich bitte, es ist Sonntagmittag und ich habe noch einen Haufen Bügelwäsche und eine Steuerklärung vor mir…

In diesem Sinne: Macht es euch schön, aber passt auf euch auf!

 

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